Sind Flüsse Lebewesen?

Sind Flüsse Lebewesen?

September 2026

September 2026

Gedanken über Wasser, Recht und Verantwortung

Gedanken über Wasser, Recht und Verantwortung

Gedanken über Wasser, Recht und Verantwortung

Meine Sommerferien verbringe ich gerne lesend im Liegestuhl – am liebsten im Schatten. Dieses Jahr hat mich ein Buch allerdings länger beschäftigt als andere: „Sind Flüsse Lebewesen?“ von Robert Macfarlane.

Schon der Titel hat mich neugierig gemacht. Denn was zunächst wie eine provokante, vielleicht sogar philosophische Frage klingt, führt im Laufe des Buches erstaunlich weit in die Naturwissenschaft, die Ökologie, die Philosophie, zu indigenen Vorstellungen von Natur und schließlich auch in die Politik und das Recht.

Macfarlane verbindet diese unterschiedlichen Perspektiven mit Geschichten von Flüssen, die er auf verschiedenen Reisen besucht. Er begegnet Menschen vor Ort und macht dabei sichtbar, wie unterschiedlich unser Verhältnis zu Flüssen und zur Natur sein kann.

Seine Reise führt ihn unter anderem zum Río Los Cedros in Ecuador, dessen Ökosystem durch den Goldabbau bedroht ist. In Indien beschäftigt er sich mit den stark geschädigten Flüssen und Lagunen im Raum Chennai. Und in Québec begegnet er dem Magpie River, der durch den geplanten Bau eines Staudamms bedroht ist.

Je weiter ich gelesen habe, desto stärker kristallisierten sich für mich drei Fragen heraus:

Kann ein Fluss rechtlich als Rechtsträger anerkannt werden?

Ist ein Fluss mehr als eine Wasserressource und kann er als Teil einer Beziehung zwischen Mensch und Natur verstanden werden?

Und schließlich, ist die Vorstellung indigener Kulturen, dass ein Fluss nicht Eigentum des Menschen ist, mit unserer westlich geprägten Denkweise vereinbar?

Vom Wasser als Ressource zum Wasser als Rechtsträger

Der für mich interessanteste Gedanke des Buches ist letztlich die Frage, was passiert, wenn wir Wasser nicht ausschließlich als etwas betrachten, das uns gehört oder das wir nutzen können.

Macfarlane stellt eine Denkweise infrage, in der der Mensch als handelndes Subjekt und die Natur überwiegend als Objekt und Ressource erscheint. Was verändert sich in unserem Blick auf Wasser, wenn wir aufhören, es nur als Ressource zu betrachten? Und warum ist diese Frage gesellschaftlich, ökologisch und rechtlich relevant? Die Idee, einem Fluss eigene Rechte zuzugestehen, ist dabei keineswegs eine literarische Erfindung von Robert Macfarlane.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist der Whanganui River in Neuseeland. Er wurde 2017 durch ein eigenes Gesetz als juristische Person anerkannt. Damit besitzt er rechtlich die Rechte, Befugnisse, Pflichten und Verbindlichkeiten einer juristischen Person. Seine Interessen werden durch dafür bestimmte Vertreter wahrgenommen. Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Fluss im biologischen Sinne plötzlich ein Lebewesen wäre. Und genau hier lohnt sich eine klare Unterscheidung zwischen drei verschiedenen Betrachtungsebenen.

Drei Perspektiven auf einen Fluss

Biologisch ist ein Fluss kein Lebewesen wie ein Mensch, ein Tier oder eine Pflanze.

Ökologisch ist ein Fluss jedoch weit mehr als fließendes Wasser. Er ist ein komplexes, dynamisches Ökosystem, in dem Wasser, Sedimente, Organismen, Ufer, Landschaft und menschliche Aktivitäten miteinander verbunden sind und sich gegenseitig beeinflussen.

Rechtlich wiederum kann eine Rechtsordnung einem Fluss eine eigene Rechtsposition geben. Er kann damit zum Rechtsträger werden, ohne ein Mensch oder biologisches Lebewesen zu sein.

Diese Unterscheidung finde ich wichtig. Denn sie macht deutlich: Wenn wir von den „Rechten eines Flusses“ sprechen, treffen wir keine naturwissenschaftliche Aussage über die Biologie eines Flusses. Wir sprechen über eine rechtliche Konstruktion und damit über die Frage, wie wir unser Verhältnis zur Natur rechtlich gestalten wollen.

Wenn die Natur selbst Rechte bekommt

Einen anderen Ansatz verfolgt Ecuador. Dort sind seit 2008 die „Rechte der Natur“ verfassungsrechtlich verankert. Hier steht nicht nur die Frage im Mittelpunkt, wie der Mensch die Natur schützen kann. Vielmehr kann die Natur selbst Trägerin von Rechten sein.

Damit ergeben sich sehr konkrete Fragen:

  • Wer darf die Interessen eines Flusses vertreten?

  • Wer kann gegen seine Verschmutzung klagen?

  • Wer entscheidet, wann seine Rechte verletzt wurden?

  • Und wer trägt Verantwortung für entstandene Schäden?

Damit verschiebt sich die Perspektive vom klassischen Umweltrecht – der Mensch schützt die Natur – hin zu einem Ansatz, der als „Rights of Nature“ bezeichnet wird: Die Natur selbst kann eigene Rechte besitzen.

Was bedeutet das für Deutschland und Europa?

Natürlich wollte ich wissen, ob es etwas Vergleichbares auch bei uns gibt.Die Antwort ist: Noch werden Flüsse in Deutschland und der Europäischen Union nicht generell als juristische Personen anerkannt.

Das bedeutet aber nicht, dass Flüsse rechtlich nur als nutzbare Wasserressourcen betrachtet werden. Die europäische Wasserpolitik verfolgt vielmehr einen stark ökologisch ausgerichteten Ansatz. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie hat unter anderem zum Ziel, eine Verschlechterung des Zustands von Gewässern zu verhindern und einen guten Zustand von Flüssen, Seen und Grundwasser zu erreichen.

Der ökologische Zustand eines Gewässers ist damit selbst Gegenstand rechtlichen Schutzes. Das ist zwar etwas anderes als die Anerkennung eines Flusses als Rechtsperson. Trotzdem verändert sich dadurch die Perspektive: Weg von der ausschließlichen Frage, wie wir Wasser nutzen können, hin zu der Frage, welchen Zustand ein Gewässer haben soll und wie wir diesen erhalten oder wiederherstellen können.

Auch 2026 ist dieses Thema keineswegs abgeschlossen. Die Diskussion darüber, wie Gewässer in Europa geschützt und ökologisch wiederhergestellt werden können, wird weitergeführt.

Ein Ökosystem als Rechtsperson

Die Frage, ob Natur oder einzelne Ökosysteme Träger eigener Rechte sein können, beschäftigt inzwischen auch die Rechtswissenschaft. Unter dem Begriff „Rights of Nature“ werden verschiedene rechtliche Ansätze zusammengefasst. Sie reichen von der Anerkennung bestimmter Rechte der Natur bis hin zur Anerkennung einzelner Ökosysteme als Rechtspersonen.

Ein europäisches Beispiel ist die Lagune Mar Menor in Spanien. Sie erhielt 2022 durch ein eigenes Gesetz Rechtspersönlichkeit und ausdrücklich anerkannte Rechte, unter anderem auf Erhaltung, Schutz und Wiederherstellung. Damit wird aus einer scheinbar philosophischen Frage eine ganz konkrete rechtliche:

Wer oder was soll im Recht eine Stimme bekommen? Und vielleicht noch grundsätzlicher:

Wessen Interessen berücksichtigen wir, wenn wir über die Zukunft eines Gewässers entscheiden?

Was verändert sich dadurch in unserem Blick auf Wasser?

Genau an diesem Punkt hat mich Macfarlanes Buch besonders beschäftigt.

Normalerweise denken wir über Wasser vor allem aus unserer eigenen Perspektive:

  • Wir brauchen Wasser.

  • Wir nutzen Wasser.

  • Wir schützen Wasser.

Wenn einem Fluss oder einem Ökosystem jedoch eigene Rechte zugestanden werden, verändert sich die Beziehung. Dann geht es nicht mehr nur darum, welchen Nutzen wir aus einem Gewässer ziehen können. Es geht auch darum, welche Grenzen unsere Nutzung haben muss, damit das Ökosystem selbst erhalten bleiben kann. Aus einem Objekt unserer Nutzung wird zumindest rechtlich ein Gegenüber, dessen Interessen berücksichtigt werden müssen. Das bedeutet nicht, dass ein Fluss sprechen kann. Aber es bedeutet, dass wir uns entscheiden können, ihm eine Stimme zu geben.

Und was hat das mit Mineralwasser zu tun?

An dieser Stelle komme ich zu meiner eigenen Perspektive als Wassersommelière.

Auch beim Mineralwasser können wir zwei sehr unterschiedliche Dinge sehen. Wir können eine Flasche Mineralwasser betrachten. Ein Produkt mit Marke, Mineralstoffgehalt, Herkunftsbezeichnung und einem bestimmten Geschmack. Oder wir können hinter dieser Flasche das natürliche System sehen, aus dem dieses Wasser hervorgegangen ist. Niederschlag gelangt in den Boden, versickert und bewegt sich durch geologische Schichten. Auf seinem Weg kann es Mineralstoffe aufnehmen, wird durch die Beschaffenheit des Untergrunds geprägt und tritt schließlich an einer Quelle wieder zutage. Das Wasser in der Flasche beginnt also nicht mit der Flasche. Es beginnt mit seiner Herkunft.

Vielleicht ist das die wichtigste Verbindung, die ich aus Macfarlanes Buch mitnehme: Wenn wir Wasser nicht nur als Ressource betrachten, verändert sich zunächst nicht das Wasser. Es verändert sich unser Blick auf das Wasser. Und vielleicht auch unsere Verantwortung dafür.

Das Buch hat mich jedenfalls sehr bewegt und dazu gebracht, darüber nachzudenken, wie sehr unser Denken von dem wirtschaftlichen Wert geprägt ist, den wir einer Ressource beimessen. Vielleicht lohnt es sich deshalb, beim nächsten Glas Wasser einmal nicht nur zu fragen, was ist in diesem Wasser? Sondern auch, woher kommt es und welches natürliche System steckt dahinter?

https://environment.ec.europa.eu Siehe unter WFD 

https://eur-lex.europa.eu Document 02000L0060-20260510


 Illustration erstellt mit künstlicher Intelligenz. 

Meine Sommerferien verbringe ich gerne lesend im Liegestuhl – am liebsten im Schatten. Dieses Jahr hat mich ein Buch allerdings länger beschäftigt als andere: „Sind Flüsse Lebewesen?“ von Robert Macfarlane.

Schon der Titel hat mich neugierig gemacht. Denn was zunächst wie eine provokante, vielleicht sogar philosophische Frage klingt, führt im Laufe des Buches erstaunlich weit in die Naturwissenschaft, die Ökologie, die Philosophie, zu indigenen Vorstellungen von Natur und schließlich auch in die Politik und das Recht.

Macfarlane verbindet diese unterschiedlichen Perspektiven mit Geschichten von Flüssen, die er auf verschiedenen Reisen besucht. Er begegnet Menschen vor Ort und macht dabei sichtbar, wie unterschiedlich unser Verhältnis zu Flüssen und zur Natur sein kann.

Seine Reise führt ihn unter anderem zum Río Los Cedros in Ecuador, dessen Ökosystem durch den Goldabbau bedroht ist. In Indien beschäftigt er sich mit den stark geschädigten Flüssen und Lagunen im Raum Chennai. Und in Québec begegnet er dem Magpie River, der durch den geplanten Bau eines Staudamms bedroht ist.

Je weiter ich gelesen habe, desto stärker kristallisierten sich für mich drei Fragen heraus:

Kann ein Fluss rechtlich als Rechtsträger anerkannt werden?

Ist ein Fluss mehr als eine Wasserressource und kann er als Teil einer Beziehung zwischen Mensch und Natur verstanden werden?

Und schließlich, ist die Vorstellung indigener Kulturen, dass ein Fluss nicht Eigentum des Menschen ist, mit unserer westlich geprägten Denkweise vereinbar?

Vom Wasser als Ressource zum Wasser als Rechtsträger

Der für mich interessanteste Gedanke des Buches ist letztlich die Frage, was passiert, wenn wir Wasser nicht ausschließlich als etwas betrachten, das uns gehört oder das wir nutzen können.

Macfarlane stellt eine Denkweise infrage, in der der Mensch als handelndes Subjekt und die Natur überwiegend als Objekt und Ressource erscheint. Was verändert sich in unserem Blick auf Wasser, wenn wir aufhören, es nur als Ressource zu betrachten? Und warum ist diese Frage gesellschaftlich, ökologisch und rechtlich relevant? Die Idee, einem Fluss eigene Rechte zuzugestehen, ist dabei keineswegs eine literarische Erfindung von Robert Macfarlane.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist der Whanganui River in Neuseeland. Er wurde 2017 durch ein eigenes Gesetz als juristische Person anerkannt. Damit besitzt er rechtlich die Rechte, Befugnisse, Pflichten und Verbindlichkeiten einer juristischen Person. Seine Interessen werden durch dafür bestimmte Vertreter wahrgenommen. Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Fluss im biologischen Sinne plötzlich ein Lebewesen wäre. Und genau hier lohnt sich eine klare Unterscheidung zwischen drei verschiedenen Betrachtungsebenen.

Drei Perspektiven auf einen Fluss

Biologisch ist ein Fluss kein Lebewesen wie ein Mensch, ein Tier oder eine Pflanze.

Ökologisch ist ein Fluss jedoch weit mehr als fließendes Wasser. Er ist ein komplexes, dynamisches Ökosystem, in dem Wasser, Sedimente, Organismen, Ufer, Landschaft und menschliche Aktivitäten miteinander verbunden sind und sich gegenseitig beeinflussen.

Rechtlich wiederum kann eine Rechtsordnung einem Fluss eine eigene Rechtsposition geben. Er kann damit zum Rechtsträger werden, ohne ein Mensch oder biologisches Lebewesen zu sein.

Diese Unterscheidung finde ich wichtig. Denn sie macht deutlich: Wenn wir von den „Rechten eines Flusses“ sprechen, treffen wir keine naturwissenschaftliche Aussage über die Biologie eines Flusses. Wir sprechen über eine rechtliche Konstruktion und damit über die Frage, wie wir unser Verhältnis zur Natur rechtlich gestalten wollen.

Wenn die Natur selbst Rechte bekommt

Einen anderen Ansatz verfolgt Ecuador. Dort sind seit 2008 die „Rechte der Natur“ verfassungsrechtlich verankert. Hier steht nicht nur die Frage im Mittelpunkt, wie der Mensch die Natur schützen kann. Vielmehr kann die Natur selbst Trägerin von Rechten sein.

Damit ergeben sich sehr konkrete Fragen:

  • Wer darf die Interessen eines Flusses vertreten?

  • Wer kann gegen seine Verschmutzung klagen?

  • Wer entscheidet, wann seine Rechte verletzt wurden?

  • Und wer trägt Verantwortung für entstandene Schäden?

Damit verschiebt sich die Perspektive vom klassischen Umweltrecht – der Mensch schützt die Natur – hin zu einem Ansatz, der als „Rights of Nature“ bezeichnet wird: Die Natur selbst kann eigene Rechte besitzen.

Was bedeutet das für Deutschland und Europa?

Natürlich wollte ich wissen, ob es etwas Vergleichbares auch bei uns gibt.Die Antwort ist: Noch werden Flüsse in Deutschland und der Europäischen Union nicht generell als juristische Personen anerkannt.

Das bedeutet aber nicht, dass Flüsse rechtlich nur als nutzbare Wasserressourcen betrachtet werden. Die europäische Wasserpolitik verfolgt vielmehr einen stark ökologisch ausgerichteten Ansatz. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie hat unter anderem zum Ziel, eine Verschlechterung des Zustands von Gewässern zu verhindern und einen guten Zustand von Flüssen, Seen und Grundwasser zu erreichen.

Der ökologische Zustand eines Gewässers ist damit selbst Gegenstand rechtlichen Schutzes. Das ist zwar etwas anderes als die Anerkennung eines Flusses als Rechtsperson. Trotzdem verändert sich dadurch die Perspektive: Weg von der ausschließlichen Frage, wie wir Wasser nutzen können, hin zu der Frage, welchen Zustand ein Gewässer haben soll und wie wir diesen erhalten oder wiederherstellen können.

Auch 2026 ist dieses Thema keineswegs abgeschlossen. Die Diskussion darüber, wie Gewässer in Europa geschützt und ökologisch wiederhergestellt werden können, wird weitergeführt.

Ein Ökosystem als Rechtsperson

Die Frage, ob Natur oder einzelne Ökosysteme Träger eigener Rechte sein können, beschäftigt inzwischen auch die Rechtswissenschaft. Unter dem Begriff „Rights of Nature“ werden verschiedene rechtliche Ansätze zusammengefasst. Sie reichen von der Anerkennung bestimmter Rechte der Natur bis hin zur Anerkennung einzelner Ökosysteme als Rechtspersonen.

Ein europäisches Beispiel ist die Lagune Mar Menor in Spanien. Sie erhielt 2022 durch ein eigenes Gesetz Rechtspersönlichkeit und ausdrücklich anerkannte Rechte, unter anderem auf Erhaltung, Schutz und Wiederherstellung. Damit wird aus einer scheinbar philosophischen Frage eine ganz konkrete rechtliche:

Wer oder was soll im Recht eine Stimme bekommen? Und vielleicht noch grundsätzlicher:

Wessen Interessen berücksichtigen wir, wenn wir über die Zukunft eines Gewässers entscheiden?

Was verändert sich dadurch in unserem Blick auf Wasser?

Genau an diesem Punkt hat mich Macfarlanes Buch besonders beschäftigt.

Normalerweise denken wir über Wasser vor allem aus unserer eigenen Perspektive:

  • Wir brauchen Wasser.

  • Wir nutzen Wasser.

  • Wir schützen Wasser.

Wenn einem Fluss oder einem Ökosystem jedoch eigene Rechte zugestanden werden, verändert sich die Beziehung. Dann geht es nicht mehr nur darum, welchen Nutzen wir aus einem Gewässer ziehen können. Es geht auch darum, welche Grenzen unsere Nutzung haben muss, damit das Ökosystem selbst erhalten bleiben kann. Aus einem Objekt unserer Nutzung wird zumindest rechtlich ein Gegenüber, dessen Interessen berücksichtigt werden müssen. Das bedeutet nicht, dass ein Fluss sprechen kann. Aber es bedeutet, dass wir uns entscheiden können, ihm eine Stimme zu geben.

Und was hat das mit Mineralwasser zu tun?

An dieser Stelle komme ich zu meiner eigenen Perspektive als Wassersommelière.

Auch beim Mineralwasser können wir zwei sehr unterschiedliche Dinge sehen. Wir können eine Flasche Mineralwasser betrachten. Ein Produkt mit Marke, Mineralstoffgehalt, Herkunftsbezeichnung und einem bestimmten Geschmack. Oder wir können hinter dieser Flasche das natürliche System sehen, aus dem dieses Wasser hervorgegangen ist. Niederschlag gelangt in den Boden, versickert und bewegt sich durch geologische Schichten. Auf seinem Weg kann es Mineralstoffe aufnehmen, wird durch die Beschaffenheit des Untergrunds geprägt und tritt schließlich an einer Quelle wieder zutage. Das Wasser in der Flasche beginnt also nicht mit der Flasche. Es beginnt mit seiner Herkunft.

Vielleicht ist das die wichtigste Verbindung, die ich aus Macfarlanes Buch mitnehme: Wenn wir Wasser nicht nur als Ressource betrachten, verändert sich zunächst nicht das Wasser. Es verändert sich unser Blick auf das Wasser. Und vielleicht auch unsere Verantwortung dafür.

Das Buch hat mich jedenfalls sehr bewegt und dazu gebracht, darüber nachzudenken, wie sehr unser Denken von dem wirtschaftlichen Wert geprägt ist, den wir einer Ressource beimessen. Vielleicht lohnt es sich deshalb, beim nächsten Glas Wasser einmal nicht nur zu fragen, was ist in diesem Wasser? Sondern auch, woher kommt es und welches natürliche System steckt dahinter?

https://environment.ec.europa.eu Siehe unter WFD 

https://eur-lex.europa.eu Document 02000L0060-20260510


 Illustration erstellt mit künstlicher Intelligenz.